Erste Hilfe bei Essstörungen
Seit Februar 2026 liegen an allen weiterführenden Schulen in Hamburg diese Sticker und Flyer mit QR-Code aus. Der Scan führt auf eine Webseite mit interaktiver Stadtkarte, auf der man mit seiner Postleitzahl schnell Hilfe bei Essstörungen findet. Wie es zu diesem Angebot kam und was ihr tun könnt, damit dieses Angebot blitzschnell bundesweit ausgebaut wird, lest ihr hier.
Seit 2019 sind Essstörungen unter 12-17-jährigen Mädchen um 50% angestiegen. Als ich diese schockierende Pressemitteilung im Mai 2025 mit meiner 19-jährigen Tochter besprach, wurde sie wütend. „In meinem Umfeld hatten viele Mädchen gravierende Essstörungen, und nirgends in der Schule gab es Flyer oder Plakate mit Hinweisen, wo sie Hilfe finden könnten!“
Die vier Essstörungs-Fachberatungen in Hamburg kannte ich gut und wusste, was für grandiose Hilfe sie anboten. Wie konnte diese schneller an Schülerinnen kommen? Meine Tochter erklärte mir, dass Hinweise unaufdringlich und in einer Bildsprache sein müssten, die Jugendliche anspreche. Es müsste schnell verständlich sein, dass sie die Hilfsangebote kostenlos und ohne ihre Eltern wahrnehmen konnten.
Wir fingen gemeinsam an uns mit mehreren Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren auszutauschen, die unter Essstörungen litten oder diese schon überwunden hatten. Was würde sie ansprechen oder hätte ihnen helfen können, sich Hilfe zu holen? „Bitte keine Pastellfarben, wir sind keine Babys“, „Wir wollen ernst genommen werden“, „Keine Drohbotschaften!“, „Bitte keine gewollte Body-Positivity, das erreicht uns leider nicht“. Und der Satz, der uns sehr berührte: „Gesundwerden ist ein Kampf.“
Meine Tochter fing an, über Headlines und Visuals nachzudenken und sprach sich regelmäßig mit den Jugendlichen ab, bis alle begeistert waren. Unser Kreativdirektor Markus Abele brachte beides in ein attraktives Layout und kreierte das Design der Webseite dazu, die von Dennis Behrens erstellt wurde. Das Suchtpräventionszentrum des Hamburger Landesinstituts für Qualifikation und Qualitätsentwicklung an Schulen bot an, die Materialien mit Empfehlungsschreiben an Schulen zu schicken. So bekamen wir behördliche Unterstützung, die Gold wert ist.
Seit Februar 2026 kann man nun per QR-Code über Sticker und Flyer, die an allen weiterführenden Schulen in Hamburg ausliegen, auf die Webseite ein-anfang.de gelangen. Dort kann man per Postleitzahl auf einer interaktiven Karte die nächstgelegene Beratungsstelle finden, in der es Erstgespräche, teilweise auch gleich Therapieangebote oder die Vermittlung von Therapieplätzen gibt.
Das Tolle daran: Das Angebot ist nicht auf Hamburg zugeschnitten, es kann sofort erweitert werden. Wir können mit dieser Seite alle Fachberatungsstellen Deutschlands sichtbar machen und jede Betroffene in jedem Dorf in Deutschland kann sofort sehen, wo sie erste Hilfe bekommen kann. Die Sticker können überall hingeschickt und ausgelegt werden.
Aber bis es soweit ist, brauchen wir eure Hilfe. Die Fachberatungsstellen und Behörden deutschlandweit zu eruieren und einzuarbeiten kostet administrative und digitale Arbeitszeit. Layout, Webseite und Stickerdruck haben wir bisher von einer großen Spende bezahlt, jetzt sitzen wir wieder auf dem Trockenen.
Wir freuen uns also über jede Spende.
Auch Hinweise für mögliche Förderung, Kontakte zu Beratungszentren und Behörden in anderen Bundesländern sind mehr als hilfreich. Essstörungen sind politisch, wir können sie gemeinsam bekämpfen. Lasst uns bitte gemeinsam die Ärmel hochkrempeln und diese Webseite ausbauen! Je mehr wir Essstörungsberatungszentren sichtbar machen und Betroffene ernst nehmen, desto mehr muss darüber gesprochen werden, warum wir in einer Zeit mit solch absurden Zahlen leben.
Danke für eure Mithilfe!
Stevie Schmiedel, Geschäftsführerin wokidoki gGmbH









